Europäisches Jahr gegen Armut und Ausgrenzung

AGJ,
Fachverband für Prävention und Rehabilitation in der Erzdiözese Freiburg e.V.


LAG,
Landesarbeitsgemeinschaft von Betroffeneninitiativen wohnungsloser Menschen in Baden-Württemberg e.V.


St. Ursula Heim,
Vogesenstr. 1-3,
77652 Offenburg
Aktionsplakat

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Übersicht der
Karawansereien


10 Forderungen

Verabschiedet beim Nachtreffen der KarawanenteilnehmerInnen
am 17.07.2010 in Offenburg (80 Personen)

  1. Die Karawane 2010 gegen Armut und Ausgrenzung fordert ein Soziales Europa. Die Lissabon-Strategie der EU aus dem Jahr 2000 ist gescheitert. Europa garantiert kein "Recht auf ein gutes Leben" den BürgerInnen in Ausgrenzung, in Armut, in Erwerbslosigkeit.
    (Strasbourg, 13.05.2010)

  2. Die Garantien des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland auf ein Leben in Freiheit, garantierten Rechten auf Gesundheit, Bildung, Arbeit, Wohnen, Existenzsicherung, gesellschaftliche Teilhabe bleiben für alle staatliche Politik unverbindlich, solange sie nicht grundgesetzlich verankert sind. Wir fordern eine konkrete Aufnahme der menschlichen Grund-bedürfnisse (Wohnen, Gesundheit, Bildung, Arbeit, Kultur, Sicherheit etc.) in die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland.
    (Karlsruhe, 18.05.2010)

  3. Armut hat viele Gesichter. Armut hat auch ein europäisches Gesicht. Armut in Europa gehört konsequent abgeschafft. Kein Mensch ist illegal! Obdachlos, aber nicht wehrlos! Wir fordern "zero poverty" für und in Europa. Wir fordern staatliche Transferleistungen die "armutsfest" sind, die ein Leben in Würde ermöglichen. Es geht um garantiertes Einkommen, das materielle, soziale, kulturelle wie politische Teilhabe sichert.
    (Karlsruhe 18.05.2010, Mulhouse, 21.05.2010)

  4. Jeder Bürger steht mit seiner "Community" alleine oder isoliert da. Viele haben k e i n e n Zugang zu Gemeinschaften, zu Assoziationen, die Halt und Stärke geben. Dem steht der Aufbau einer europäischen Zivilgesellschaft als alternatives Modell gegenüber. Am europäischen Modell von Zivilgesellschaft müssen die Armen beteiligt sein. Dies bedeutet Partizipation im kleinen wie im grossen als ethischem Grundprinzip für alle Menschen. Besonders mit jenen, die von gesellschaftlicher Exklusion betroffen oder bedroht sind.
    (Offenburg, 15.05.2010)

  5. Kommunen haben eine besondere Verantwortung für die Ausgestaltung der sozialen, der kulturellen, der ökonomischen Bedingungen vor Ort. Dabei sind die Lebensbedingungen sozialer Minoritäten, der Migranten und Menschen in Obdachlosigkeit bzw. vergleichbaren Lebenslagen grundsätzlich und konsequent zu fördern.
    (Freiburg, 21./22.05.2010)

  6. Viele Lebensbedingungen sind aufgrund der strukturellen Verhältnisse (Globalisierung, Neoliberalismus, FinanzKapital, Nord-Süd, Ökologie, Neue Kriege, Migration etc.) dem Diktat dieser Verhältnisse unterworfen. Folgen sind die zunehmenden Verlagerungen der sozialen Sicherheit in private Hände. Wir fordern die gesellschaftliche Verantwortung für die Umsetzung der Grundrechte (siehe These 2). Stopp dem Privatisierungswahn, Stopp dem Zerfall der Gesellschaft in Reich und Arm.
    (Baden-Baden, 14.05.2010)

  7. Die Karawane 2010 gegen Armut und Ausgrenzung versteht sich als Bestandteil sozialer Bewegungen und ist Ausdruck einer demokratischen Protestkultur. Im Bündnis mit anderen NGO´s und Verbänden/Organisationen hat die Karawane 2010 Zeichen gesetzt für neue Strategien der Einmischung, für moderne Aktionsformen. Dieser Weg ist weiter konsequent auszubauen. Wir machen nicht an Grenzen Halt. Wir fordern die Unterstützung vieler gesellschaftlicher Gruppen und Akteure.
    (Basel, Lörrach, Weil am Rhein, 20.05.2010)

  8. Wichtige Quelle der Stärke sind auch die religiös ethischen Wurzeln und Erfahrungen der Menschen. Daraus erwachsen Ideen, Wege und Ziele für alle Menschen. Bewegungen brauchen deshalb die Unterstützung von Kirchen und ihren Wohlfahrtsverbänden. Wir fordern die Kirchen, die Kirchengemeinden, die Ordensgemeinschaften, die christlichen Wohlfahrtsorganisationen auf, die "Option für die Armen" zum Leitmotiv konsequent und nachhaltig zu leben.
    (Mannheim, 16.05.2010, Karlsruhe 18.05.2010)

  9. Lehre an Hochschulen, Forschung und Sozialwissenschaft sind nur dann glaubwürdig, wenn es ihnen gelingt an den Lebenslagen der benachteiligten, der exkludierten Menschen anzusetzen. Im Bündnis von Wissenschaft und Basis liegen grosse Chancen der Erkenntnis. Wir fordern die Wissenschaften, die Hochschullehre auf, Feldforschung unter Einbezug der Armutsbevölkerung direkt zu betreiben.
    (Heidelberg, 17.05.2010)

  10. Die Wohlfahrtsverbände als Gestalter von Hilfen, die Städte und Gemeinden als Rechtsträger der Sozial- und Jugendhilfe incl. SGB II stehen in unmittelbarer rechtlicher wie gestaltender Verantwortung für den Grad der Inklusion der Armutsbevölkerung. Dies besonders bei der Umsetzung eines Rechts auf Wohnen. Die Karawane 2010 besteht allgemein auf der Fortsetzung eines kommunalen Dialoges um die Sicherung und Verbesserung der Lebensverhältnisse vor Ort. Dazu dient ein breites kommunales, zivilgesellschaftliches Netzwerk.
    (Karlsruhe, 18.05.2010, Konstanz, 19.05.2010, Freiburg, 21.05.2010)

Erläuterung:
Die am Ende der jeweiligen Forderung stehenden Städte und Daten beziehen sich auf die Inhalte und Präsenz der Karawane und ihrer jeweiligen gemeinsamen lokalen wie überregionalen TeilnehmerInnen an diesen jeweiligen Tagen